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Fachseminar zur Globalisierung im Haus am Maiberg für politische und soziale Bildung

Von: Leonardo Osman (13B)

Thema: Mein Konsum verursacht deine Armut – Globale Strukturen erkennen und Handeln bedenken

Im Zuge des Politik- und Wirtschaftsunterrichts fand vom 20.-21.08.2019 auf Initiative von Herrn Blasche das finanziell geförderte Seminar der Klasse 13B im ,,Haus am Maiberg“ in Heppenheim statt. Das ,,Haus am Maiberg“ ist eine Einrichtung, welche sich auf politische und soziale Bildung spezialisiert hat und in enger Kooperation mit der Neuen-Gymnasialen-Oberstufe steht. Als Tutor der Klasse und Fachlehrer für PoWi begleitete Herr Blasche uns bei dieser Exkursion.


Dienstag:

Um 10h morgens begann das Seminar mit einer Begrüßung durch die Seminarleitung, gefolgt von einer umfassenden Kennenlernrunde und einer Erwartungsabfrage sowie einer Programmvorstellung. Nach einer kurzen Pause begann dann der thematische Einstieg in das Themenfeld Globalisierung. Dieser erfolgte dadurch, dass jeder Schüler und auch der Tutor sich eine Karte nahmen und einen Begriff aufschrieben, den die jeweilige Person in Verbindung mit dem Thema Globalisierung brachte. Anschließend wurde im Plenum darüber ein Gedankenaustausch durchgeführt. Um 12:30h gab es dann Mittagessen.

Nach dem Mittagsessen ging es um 14h mit der Sitzung weiter. Es folgte eine Art Spiel, welches sich „Das globale Dorf“ nannte. Die Schüler sollten nun beispielsweise Stühle als Sinnbild für die Bevölkerungsanzahl und Flaschen als Sinnbild für den Wasserverbrauch auf die jeweiligen Kontinente verteilen. Die Kontinente waren dabei Bereiche im Raum. Trotz einiger Diskussionen und intensivem Nachdenken waren die Einschätzungen teilweise sehr weit von der Realität entfernt. Nach einer weiteren Pause gingen wir nun auf ein weiteres großes Thema ein:

Wirtschaft – Konsum – Gerechtigkeit. Was mache ich schon gegen die Ungerechtigkeit in der Welt?

Im Plenum besprachen wir intensiv, wo wir selbst in unserem Alltag Globalisierung finden. Dies beinhaltete sowohl den Einfluss von außen als auch die eigenen Entscheidungen, die globale Folgen haben. Wir führten die Unterhaltung weiter und reflektierten unsere konkreten Konsumentscheidungen kritisch. Wir fragten uns, ob es denn ausreichend sei, wie wir uns in Bezug auf unseren Konsum verhalten, um die globale soziale Ungerechtigkeit zu mindern. Wir beschäftigen uns mit der Frage, was denn nötig sei, um gerechter zu konsumieren.

Um 17h ging dann die Einführung in das Planspiel los. Diese bestand aus einer Reihe von Karten, welche Definitionen enthielten und die wir in Zweiergruppen einander zuordnen sollten. Z.B. befand sich auf einer Seite der Begriff ,,WTO'' und auf einer anderen Karte nun die dazugehörige Erklärung. In diesem Zusammenhang eigneten wir uns das notwendige Basiswissen über die „World Trade Organisation“ an.

Anschließend folgte um 18:30h das Abendessen. Eine Stunde später kamen wir ein weiteres Mal zusammen und spielten ein Entscheidungsspiel. Dieses bestand darin, dass wir uns auf eine Position im Raum stellen mussten, um dadurch auszudrücken, ob wir ,,gegen'', ,,für'' oder ,,weder noch'' für eine von der Leitung geäußerte Aussage sind. Daraufhin erhielten wir die Aufforderung, unsere Wahl zu begründen.

Als letzter Punkt des Tages kam dann noch die Tagesauswertung, in welcher wir unsere Meinungen zum bisherigen Geschehen im Seminar äußern konnten.

Mittwoch:

Der Tag startete mit dem Frühstück um 8:30h. Um 9:30h ging dann das Seminar langsam wieder los. Normalerweise war ein Warming-Up für die ersten 15 Minuten geplant. Die Klasse entschied sich jedoch dafür, dieses ausfallen zu lassen.

Nun folgte die Einarbeit in die Rollen des Planspiels.

Wir zogen jeweils zufällig den Namen eines der partizipierenden Länder, um eine Rolle für jeden Schüler festzulegen. Ich selbst zog den Inselstaat St. Vincent, welcher sich in der Karibik befindet. Das Planspiel beinhaltete mehrere Phasen. Zunächst einmal saßen wir Schüler in U-Form zur Seminarleitung ausgerichtet, welche die Rolle der WTO-Leitung übernahm. Wir bekamen Blätter mit Daten zu unserem jeweiligen Land, welche sich aus geographischen, wirtschaftlichen und sozialen Informationen zusammensetzten. Die Interessen des Landes waren auch dargestellt. In der nun folgenden ersten Phase des Planspiels sollten wir uns mit anderen Ländern zusammentun, welche wir als mögliche Kooperationspartner für Anträge gewinnen könnten. Diese Anträge sollten Aspekte beinhalten, welche durch die WTO in Kraft treten würden. Jedoch gab es Einschränkungen, welche die Durchsetzung der Anträge erschwerten. Diese waren unter anderem, dass, wenn auch nur eines der Länder den Antrag ablehnt, dieser nicht durchgesetzt wird. Das heißt, dass wir eine Lösung finden mussten, die die persönlichen Interessen unseres Landes vertritt, sowie allen anderen Ländern ebenfalls zugutekommt. Ich, als Vertreter von St. Vincent, fand einen Partner in dem naheliegenden Inselstaat St. Lucia. Zusammen erarbeiteten wir einen Entwurf, der sich auf den Export von Bananen in die EU bezog. Wir erhielten die Unterstützung der EU-Vertreter und konnten dadurch den Antrag einreichen, welcher später einer der zwei Anträge war, die angenommen wurden. Die Unterstützung der EU zum Einreichen des Antrags war insofern wichtig, als man die Unterschrift von drei verschiedenen Landesvertretern benötigte, um einen Antrag einreichen zu dürfen. Nach der Phase der Abstimmungen über Anträge gab es noch eine zweite Verhandlungsphase, in der man Anträge einreichen konnte. Da St. Lucia und ich als St. Vincent nun schon unsere Interessen abgedeckt hatten, hatten wir keine Arbeit mehr, bis die zweite Phase der Abstimmungen nach der zweiten Verhandlungsphase ebenfalls vorbei war.

Das Planspiel selbst ging dabei bis 14:30h. Danach folgte die Auswertung. Wir besprachen alle Konflikte, die wir als Vertreter der Länder, sowohl in den Ländern an sich, als auch bei den Verhandlungen untereinander, entdeckten. Diese waren z.B. die Uneinigkeit der Länder über die Einführung von genmanipulierten Lebensmitteln in die EU. Anschließend erfolgte eine weitere Reflexion bezüglich der entdeckten Probleme. Dies beinhaltete, inwiefern diese uns betreffen und wie wir handeln können, um sie zu verringern.

Gegen 17:00h endete das Seminar mit schriftlichen Evaluationsbögen, durch die wir anonym äußern konnten, was uns am Seminar gefallen hat und was uns verbesserungswürdig erscheint.

Durch das Seminar wurde uns Schülern ein genauerer Einblick in die Realität der Globalisierung in Bezug auf komplexe Zusammenhänge verschafft und in die Länder, die wir vertraten. Darüber hinaus wurde ein verstärktes Bewusstsein für den eigenen Konsum und dessen Auswirkung geschaffen.

Die Klasse wird das Problem-Thema Globalisierung nun im Unterricht fortsetzen und sich diesbezüglich weiterbilden, um in Zukunft bedachter politisch handeln zu können und eventuell etwas Positives bewirken zu können.

Projektorganisation: Ralph Blasche (Tutor der 13B)