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Modellprojekt: Politische Partizipation als Ziel der Politischen Bildung. Zum politischen Partizipationsprojekt der Klasse 12B

Von: Sohaila Fahimy (13B)

Im Zuge des Politik- und Wirtschaftsunterrichts beschäftigte sich die Klasse 12B im Schuljahr 2018/19 mit der Problemthematik „Armut und Reichtum in Deutschland. Geht es in der BRD sozial gerecht zu?“ Dabei bekam die Klasse die Chance, gemeinsam an Projekten im „Haus am Maiberg“, einer Institution für politische und soziale Bildung, zu arbeiten. Begleitet wurde diese Einheit von dem Fachlehrer und Tutor Herr Blasche und dem Jugendbildungsreferenten Alexander Mack sowie seiner Praktikantin. Auch Geschichts- und DS-Lehrer Herr Erbe unterstützte die Klasse bei einem der Besuche in Heppenheim.


Als Einstieg besuchte die Klasse die Demonstration „Fridays for Future“, um als teilnehmende Beobachter erste Eindrücke über Möglichkeiten der politischen Partizipation zu sammeln. Die Klasse sollte sich hier mit unterschiedlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Beispielsweise beschäftigte sich eine Gruppe mit der Planung und Umsetzung einer solchen Demonstration, eine andere mit Intentionen verschiedener Teilnehmer und deren Forderungen. Die Eindrücke der Schüler und Schülerinnen waren vielfältig. Sie waren sich einig, dass die Demonstrationen grundsätzlich ein gutes Ziel verfolgen und ihre Aufmerksamkeit begründet ist. Doch mit der Atmosphäre und Stimmung sowie dem konkreten Ablauf der Demo konnte sich nicht jeder identifizieren. Möglicherweise hing das damit zusammen, dass die Schüler bewusst eine Beobachterrolle einnahmen und sich einige dadurch nicht zugehörig fühlten.

Eine weitere Einheit war, dass die Klasse in Gruppen eingeteilt wurde, die sich mit folgenden Themen beschäftigen sollten: Analyse der Einkommens- und Vermögensverteilung in der BRD („Ist-Zustand“), Analyse des aktuellen Steuersystems (Ist-Zustand und Veränderungsmöglichkeiten), Steuervermeidung und Steuerhinterziehung von Privatpersonen und Unternehmen, Neufassung des Hessischen Landboten, Forschungen von dem französischen Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty zur sozialen Ungleichheit im globalen Maßstab sowie die „Fridays For Future-Bewegung“ im Kontext von Ökologie und Nachhaltigkeit im Kapitalismus. Dazu bekam jede Gruppe individuelle Arbeitsmaterialien, um tiefer in die jeweilige Materie einzusteigen. An dieser Einheit konnten die Schüler mehrere Wochen arbeiten, um letztlich die Problemfrage „Armut und Reichtum in Deutschland. Geht es in der BRD sozial gerecht zu?“ beantworten zu können.

Nach der Einteilung folgte der erste Besuch mit Übernachtung im „Haus für politische Bildung“ in Heppenheim. Nach der Vorstellungsrunde wurden der Klasse bestimmte Statements vorgelesen, zu denen sich jeder positionieren sollte. Dabei handelte es sich immer um die Frage, was politisch sei und was nicht. Schon bei diesem Spiel wurde deutlich, dass es keine klaren Grenzen gibt. Dass Wählen gehen politisch ist, stellt wohl keiner in Frage. Aber ist es politisch, Lebensmittel oder Kleidung zu kaufen? Auf diese Weise kann man beinahe jede Frage stellen, denn Politik ist nun einmal Teil des alltäglichen Lebens und hat somit auch zwangsläufig Einfluss auf jegliches Handeln. Am selben Tag durften die Schüler erstmals an ihren Gruppenthemen arbeiten und ihre ersten Eindrücke mit der Klasse teilen. Schon an diesem Punkt wurde deutlich, dass es ungerechte Strukturen in Bereichen wie der Steuerpolitik gibt. Im Rahmen des Besuches gab es auch ein aufschlussreiches Rollenspiel. Einige Schüler bekamen bestimmte Biografien zugeteilt. Diese reichten von jungen wohlhabenden Erben über Schüler, deren Eltern alleinerziehend sind, bis hin zu Menschen mit Behinderungen. Nacheinander wurden verschiedene Aussagen vorgelesen, die das Ziel hatten, die soziale Gerechtigkeit in Deutschland näher zu erforschen. Auch hier wurde schnell erkannt, dass eine enorme Kluft zwischen Arm und Reich existiert. Ebenso wurde deutlich, dass Faktoren wie Herkunft und sozialer Hintergrund einen riesigen Einfluss auf das zukünftige Leben haben. Darüber hinaus hatte die Klasse die Chance, eine der Organisatorinnen der „Fridays for Future“ in Heppenheim kennenzulernen. Es ergaben sich spannende Diskussionen über Fleischkonsum und dessen negative Auswirkungen auf die Umwelt. Zuletzt überlegten sich die Schüler verschiedene Projekte und erste Umsetzungsmöglichkeiten, die sich mit Themen wie sozialer Ungerechtigkeit und Umwelt auseinandersetzen sollten. Eine Gruppe plante ein Expertengespräch mit einem Politiker. Eine andere wollte auf das Müllproblem aufmerksam machen, indem sie einen riesigen Müllberg sammeln wollte. Weitere Ideen waren ein stiller Protest, der Verkauf von recycelten Armbändern und eine daraus resultierende Spende für eine Umweltorganisation, sowie das Sammeln von Unterschriften für eine gerechtere Steuerpolitik.

Im Laufe der nächsten Wochen kristallisierten sich aus den anfänglichen Ideen zwei konkrete Pläne heraus, die im Weiteren verfolgt und letztlich vor der Schule vorgestellt wurden. Die erste Aktion war die zuvor erwähnte, bei der recycelte Armbänder per Internet gestaltet und bestellt wurden. Der Verkauf sollte bei den folgenden Präsentationen in der Schule erfolgen. Das gesammelte Geld wird die Gruppe an eine Organisation spenden, die den pazifischen Ozean von Plastikmüll reinigt („Clean up the Ocean“). Die zweite Gruppe organisierte ein Expertengespräch mit dem jungen SPD-Politiker Felix Lupe und stellte ihm Fragen rund um die Gesetze der Steuerpolitik in der BRD. Darüber hinaus erstellte sie eine Petition, in der sie die Einführung der Vermögenssteuer, die Erhöhung der Erbschaftssteuer und der Abgeltungssteuer fordert, um gegen die soziale Ungleichheit in Deutschland aktiv vorzugehen. Auch Jugendbildungsreferent Alexander Mack besuchte die Klasse 12B, die für die Umsetzung verantwortlich war und unterstützte sie in ihren Vorhaben.

Beim zweiten Aufenthalt in Heppenheim wurden diese beiden Projekte zur politischen Partizipation planerisch zu Ende geführt. Sie wurden ausführlich besprochen, es gab erste Probedurchläufe und die anschließende Ausarbeitung. Abschließend wurden die beiden zentralen Projekte am Vormittag der Profil-Präsentationen der gesamten Schulgemeinde vorgestellt.

Insgesamt lernten die Schüler nicht nur wie man Projekte plant und umsetzt, sondern auch wie viele Handlungsmöglichkeiten ein Einzelner besitzt, sich selbst politisch zu beteiligen. Inwiefern die Klasse 12B wirklich etwas verändern konnte, ist vielleicht fraglich. Doch das Bewusstsein für das eigene Handeln und dessen Auswirkungen wurden geschärft. Natürlich bleibt es Aufgabe der Politik, gegen ungerechte Strukturen vorzugehen und die Menschen dazu zu bringen, verantwortungsvoll mit der Umwelt und ihren Ressourcen umzugehen. Doch in einer Demokratie hat jeder einzelne Bürger die Möglichkeit, auf die Politik entsprechend Einfluss zu nehmen. Die Projekte der Klasse 12B dauern weiterhin an. Ein Armband kann man für einen Betrag von 3 Euro kaufen. Auch die Petition kann man nach wie vor unter „https://secure.avaaz.org/de/community_petitions/Der_Bundestag_Steuergerechtigkeit/?aczwFob&newuser=1#“ unterschreiben. Die Klasse 12B freut sich auf Eure Unterstützung und hofft mit Eurer Hilfe, etwas bewirken zu können.

Schulische Projektleitung: Ralph Blasche, Tutor der 12/13B
Außerschulische Projektleitung: Alexander Mack, Referent im „Haus am Maiberg“